Girokonto wechseln: So senkst du dauerhaft deine Bankkosten
Viele Menschen bleiben ihrem Girokonto über Jahre oder sogar Jahrzehnte treu. Das Gehalt geht ein, Miete und Versicherungen werden abgebucht und die Bankkarte funktioniert meistens ohne Probleme. Gleichzeitig steigen jedoch bei manchen Kontomodellen schrittweise die Gebühren. Zur monatlichen Kontoführung können Kosten für Karten, einzelne Buchungen, Bargeldabhebungen oder beleghafte Überweisungen hinzukommen. Weil diese Beträge jeweils überschaubar wirken, wird häufig nicht geprüft, wie viel das Konto tatsächlich im Jahr kostet.
Kleine Gebühren ergeben eine beachtliche Jahressumme
Eine monatliche Kontogebühr von acht Euro entspricht bereits 96 Euro im Jahr. Kommen eine kostenpflichtige Karte, einzelne Buchungsposten oder Gebühren für Bargeldabhebungen hinzu, kann die tatsächliche Belastung deutlich höher liegen. Über fünf Jahre summieren sich selbst vermeintlich kleine Entgelte zu mehreren Hundert Euro. Der Wechsel zu einem passenderen Kontomodell kann deshalb eine Sparmaßnahme sein, die nach der einmaligen Umstellung dauerhaft wirkt.
Der Kontopreis besteht aus mehreren Bausteinen
Beim Vergleich reicht es nicht, ausschließlich auf die monatliche Grundgebühr zu achten. Einige Banken bieten zwar ein Konto ohne festen Monatspreis an, verlangen dafür aber Gebühren für Karten, Papierüberweisungen, Bargeldeinzahlungen oder bestimmte Abhebungen. Andere Kontomodelle arbeiten mit einem Pauschalpreis, in dem die wichtigsten Leistungen bereits enthalten sind. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Banken sehr unterschiedliche Kombinationen aus Grundpreis und Einzelentgelten verwenden. Entscheidend ist daher nicht das Werbeversprechen, sondern die Gesamtsumme für die Leistungen, die du tatsächlich nutzt.
Die Kontoabrechnung zeigt die wirklichen Kosten
Bevor du nach einem neuen Girokonto suchst, solltest du die Entgeltaufstellung und die Kontoabrechnungen der vergangenen zwölf Monate prüfen. Notiere die regelmäßige Kontoführungsgebühr sowie alle zusätzlichen Entgelte. Dazu können Kosten für Debit- oder Kreditkarten, Buchungsposten, Kontoauszüge, Überweisungen, Bargeldabhebungen und die Nutzung bestimmter Geldautomaten gehören. Auf dieser Grundlage lässt sich berechnen, was dein Konto pro Jahr tatsächlich kostet.
Kostenlos bedeutet nicht automatisch kostenfrei
Ein als kostenlos beworbenes Girokonto kann an Bedingungen geknüpft sein. Häufig entfällt die monatliche Gebühr nur bei einem festgelegten Geldeingang. Dabei sollte geprüft werden, ob irgendeine Überweisung ausreicht oder ob ausdrücklich ein Gehalts-, Renten- oder Bezügeeingang verlangt wird. Auch Altersgrenzen, eine rein digitale Kontoführung oder die Nutzung als Hauptkonto können eine Rolle spielen. Werden die Voraussetzungen später nicht mehr erfüllt, kann aus dem kostenlosen Konto ein kostenpflichtiges Modell werden.
Das günstigste Konto muss zu deinem Alltag passen
Ein besonders preiswertes Onlinekonto ist nicht automatisch die beste Wahl. Wer fast alles per App erledigt, selten Bargeld benötigt und keine persönliche Beratung erwartet, kann mit einer Direktbank gut zurechtkommen. Wer regelmäßig Bargeld einzahlt, Überweisungen in einer Filiale abgibt oder bei Problemen einen persönlichen Ansprechpartner benötigt, sollte diese Leistungen dagegen ausdrücklich in den Vergleich einbeziehen. Ein Konto ist nur dann günstig, wenn es die benötigten Funktionen ohne unerwartete Zusatzkosten bereitstellt.
Die Bargeldversorgung gehört in den Vergleich
Vor dem Wechsel solltest du klären, an welchen Automaten mit der neuen Karte kostenlos Geld abgehoben werden kann. Manche Banken verfügen über ein eigenes Automatennetz, andere gehören einem größeren Verbund an oder ermöglichen kostenlose Abhebungen mit einer Debitkarte. Wichtig ist außerdem, ob ein Mindestbetrag verlangt wird und welche Bedingungen im Ausland gelten. Wer regelmäßig Bargeld einzahlt, sollte zusätzlich prüfen, ob dafür Filialen, Automaten oder Partnergeschäfte zur Verfügung stehen und welche Gebühren entstehen.
Debitkarte, Girocard und Kreditkarte unterscheiden
Bei vielen Konten gehört heute eine Debitkarte von Visa oder Mastercard zur Grundausstattung. Der ausgegebene Betrag wird dabei gewöhnlich zeitnah vom Girokonto abgebucht. Eine Girocard kann zusätzlich angeboten werden, ist aber je nach Bank möglicherweise kostenpflichtig. Eine klassische Kreditkarte arbeitet dagegen häufig mit einer späteren, gebündelten Abrechnung. Vor dem Wechsel solltest du deshalb nicht nur fragen, ob eine Karte enthalten ist, sondern auch, welche Kartenart du erhältst und ob sie für deine typischen Zahlungen, Reisen und Buchungen geeignet ist.
Auch die App muss im Alltag funktionieren
Bei einem überwiegend digital geführten Girokonto ist die Banking-App ein wesentlicher Teil des Produkts. Sie sollte Überweisungen, Daueraufträge, Kartenverwaltung und Kontoauszüge übersichtlich zugänglich machen. Praktisch sind außerdem sofortige Push-Mitteilungen, einstellbare Kartenlimits und die Möglichkeit, eine verlorene Karte direkt zu sperren. Nutzt du mehrere Konten, kann auch die Einbindung fremder Bankverbindungen hilfreich sein. Ein niedriger Monatspreis verliert schnell seinen Reiz, wenn die technische Bedienung dauerhaft umständlich ist.
Gemeinschaftskonten brauchen einen genauen Blick
Paare und Familien sollten prüfen, ob das gewünschte Konto auch als Gemeinschaftskonto geführt werden kann. Dabei gibt es häufig die Wahl zwischen einem sogenannten Oder-Konto und einem Und-Konto. Bei einem Oder-Konto können die Kontoinhaber grundsätzlich jeweils allein über das Guthaben verfügen. Beim Und-Konto sind dagegen gemeinsame Entscheidungen erforderlich. Für den normalen Haushaltsalltag ist das Oder-Konto meist praktischer, während ein Und-Konto eher für besondere Verwaltungssituationen geeignet ist.
Ein Dispokredit kann den Preisvergleich verzerren
Wer den Dispokredit regelmäßig nutzt, sollte neben den Kontogebühren besonders auf den Sollzins achten. Ein Konto mit kostenloser Führung kann insgesamt teuer sein, wenn der Kontostand häufig ins Minus rutscht und dafür hohe Zinsen berechnet werden. Der Dispo sollte ohnehin nur kurzfristige Engpässe überbrücken. Ist das Konto dauerhaft überzogen, ist nicht der Girokontowechsel allein die Lösung. Dann sollte zusätzlich geprüft werden, wie sich die monatlichen Ausgaben reduzieren oder bestehende Schulden günstiger ordnen lassen.
Die neue Bank muss beim Wechsel helfen
In Deutschland besteht ein gesetzlicher Anspruch auf Unterstützung beim Kontowechsel. Auf Wunsch arbeiten die bisherige und die neue Bank zusammen, um Informationen über Daueraufträge, Lastschriften und wiederkehrende Überweisungen zu übertragen. Auch bei einem Wechsel zu einer Bank in einem anderen europäischen Staat muss das bisherige deutsche Institut grundsätzlich mitwirken. Neben dieser gesetzlichen Kontowechselhilfe bieten viele Banken einen eigenen digitalen Wechselservice an.
Der Wechselservice nimmt nicht jede Prüfung ab
Ein automatischer Wechselservice kann wiederkehrende Zahlungspartner aus den bisherigen Kontobewegungen erkennen und über die neue Bankverbindung informieren. Trotzdem solltest du dich nicht vollständig darauf verlassen. Manche Zahlungsempfänger tauchen nur einmal jährlich auf und werden deshalb leicht übersehen. Dazu gehören beispielsweise Versicherungen, Mitgliedsbeiträge, kommunale Abgaben, Abonnements oder selten genutzte Onlineshops. Eine eigene Checkliste verhindert, dass wichtige Zahlungen nach der Kontoumstellung scheitern.
Diese Zahlungspartner solltest du informieren
Zu den wichtigsten Stellen gehören Arbeitgeber, Rentenversicherung, Familienkasse, Finanzamt, Vermieter, Energieversorger, Telekommunikationsanbieter und Versicherungen. Hinzu kommen Kreditgeber, Vereine, Schulen, Kindergärten, Streamingdienste, Versandhändler und andere Anbieter mit hinterlegtem Lastschriftmandat. Auch Zahlungsdienste wie PayPal sowie Konten bei Wertpapierbrokern sollten geprüft werden. Hinterlegst du die neue Bankverbindung an jeder Stelle selbst, behältst du den besten Überblick über den Fortschritt.
Daueraufträge müssen kontrolliert werden
Miete, Unterhalt, Sparraten und andere feste Überweisungen werden häufig über Daueraufträge ausgeführt. Bei der Übertragung sollte nicht nur der Empfänger kontrolliert werden, sondern auch der Betrag, das Ausführungsdatum und der gewählte Rhythmus. Gerade bei älteren Daueraufträgen kann der Kontowechsel eine gute Gelegenheit sein, nicht mehr benötigte Zahlungen zu löschen oder Beträge anzupassen.
Das alte Konto sollte zunächst geöffnet bleiben
Eine sofortige Kündigung des bisherigen Kontos erhöht das Risiko, dass Überweisungen zurückgehen oder Lastschriften nicht eingelöst werden. Sinnvoll ist eine Übergangsphase, in der beide Konten parallel bestehen. Das Gehalt sollte bereits auf dem neuen Konto eingehen, während auf dem alten Konto noch ein ausreichendes Guthaben verbleibt. Dadurch können vergessene Abbuchungen weiterhin ausgeführt werden und du erkennst, welche Zahlungspartner noch nicht umgestellt wurden.
Zwei bis drei Kontoauszüge bringen Sicherheit
Beobachte während der Übergangsphase beide Konten sorgfältig. Gehen auf dem alten Konto noch Gutschriften ein, sollte der Absender informiert werden. Erfolgt dort noch eine Lastschrift, muss das Mandat auf die neue Bankverbindung umgestellt werden. Erst wenn über mehrere Wochen keine relevanten Bewegungen mehr stattfinden, ist die Kündigung des alten Kontos sinnvoll. Bewahre die letzten Kontoauszüge und die Bestätigung der Kontoschließung anschließend auf.
Nicht jede Bankgebühr ist automatisch zulässig
Banken dürfen für zahlreiche Leistungen Entgelte verlangen, allerdings nicht beliebig für jede Tätigkeit. Für Leistungen, zu denen ein Institut bereits gesetzlich oder vertraglich verpflichtet ist, können Gebühren unzulässig sein. Die Verbraucherzentrale dokumentiert verschiedene Entgelte, die von Gerichten beanstandet wurden, und empfiehlt, auffällige Gebühren genau zu prüfen. Bei Unsicherheit kann eine Verbraucherberatung oder eine rechtliche Prüfung sinnvoll sein.
Eine Preiserhöhung ist ein Anlass zum Vergleich
Erhöht die Bank die Kontogebühren oder verändert sie das bisherige Modell, solltest du die neuen Bedingungen nicht einfach ungelesen akzeptieren. Berechne, welche jährlichen Kosten künftig entstehen, und vergleiche sie mit anderen Angeboten. Eine Preiserhöhung muss nicht zwangsläufig zum Wechsel führen. Bietet die bisherige Bank gute Leistungen, erreichbare Filialen und einen verlässlichen Service, kann der Preis gerechtfertigt sein. Entscheidend ist, dass die Entscheidung bewusst getroffen wird.
Das eigene Nutzungsverhalten bestimmt das beste Konto
Für einen digitalen Nutzer kann ein kostenloses Onlinekonto mit guter App ideal sein. Ein Selbstständiger benötigt möglicherweise Unterkonten, zuverlässige Buchungsexporte oder einen erreichbaren Support. Familien achten stärker auf Gemeinschaftskonten und zusätzliche Karten, während Reisende günstige Zahlungen und Bargeldabhebungen im Ausland benötigen. Deshalb gibt es nicht das eine beste Girokonto für alle. Es gibt nur ein Konto, dessen Preis und Leistungen besonders gut zu den eigenen Gewohnheiten passen.
Mehrere Konten können sinnvoll sein
Ein Wechsel bedeutet nicht zwingend, dass nur ein einziges Girokonto bestehen darf. Manche Haushalte nutzen ein gemeinsames Konto für Miete, Energie und Lebensmittel, während persönliche Ausgaben über getrennte Konten laufen. Andere trennen das Hauptkonto bewusst von einem Konto für laufende Abonnements oder von einem Tagesgeldkonto für Rücklagen. Zusätzliche Konten verbessern allerdings nur dann die Übersicht, wenn sie einen klaren Zweck erfüllen und keine unnötigen Gebühren verursachen.
Der Kontowechsel ist eine dauerhafte Sparmaßnahme
Wer seine Kontokosten von beispielsweise zwölf auf drei Euro im Monat reduziert, spart jedes Jahr 108 Euro. Dafür ist nur einmal der Aufwand des Vergleichs und der Umstellung notwendig. Danach entsteht die Ersparnis automatisch, solange sich die Konditionen nicht verändern. Genau darin liegt der Vorteil gegenüber vielen anderen Sparmaßnahmen: Es muss nicht jeden Monat neu auf etwas verzichtet werden.
Ein jährlicher Kontocheck schützt vor neuen Kosten
Auch nach einem erfolgreichen Wechsel sollte das Girokonto einmal jährlich überprüft werden. Banken verändern Preise, Kartengebühren und Bedingungen. Gleichzeitig kann sich das eigene Nutzungsverhalten ändern. Vielleicht wird eine Filiale nicht mehr benötigt, das Einkommen erfüllt eine Mindestgrenze nicht mehr oder eine bisher kostenlose Zusatzkarte wird kostenpflichtig. Ein kurzer Blick auf die jährliche Entgeltaufstellung zeigt, ob das Konto weiterhin zur persönlichen Situation passt.
Ein gutes Girokonto fällt im Alltag kaum auf
Das passende Girokonto muss nicht mit besonders vielen Zusatzleistungen werben. Es sollte zuverlässig funktionieren, verständliche Kosten verursachen und alle benötigten Zahlungswege abdecken. Wenn Überweisungen, Lastschriften, Karten und Bargeldversorgung ohne unnötige Hürden funktionieren, erfüllt das Konto seinen Zweck. Ein Wechsel lohnt sich deshalb nicht nur wegen einiger gesparter Euro, sondern auch dann, wenn die neue Bank den finanziellen Alltag einfacher und übersichtlicher macht.
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